PROSA

aus dem Erzählband: Frankfurter Allee - Panamericana

Guagua Pichincha

Du musst sofort nach Hause kommen. Sie haben in den Nachrichten den Vulkan gezeigt. Die Alarmstufe ist auf orange! (Dicke Schrift, tief in das Blatt hinein geritzt, sogar auf dem Faxausdruck ist das zu sehen). Wir schicken dir Geld, dann gehst du in ein Reisebüro und buchst sofort um! Sofort!
Deine Eltern
P.S.: Wir lieben dich!

Sie legt den Zettel auf die Seite, bedankt sich bei der Sekretärin und geht zu ihrem Arbeitsplatz zurück. Noch drei Tage lang wird sie im Goethe Institut in Buenos Aires arbeiten. Ihr Flug nach Quito geht um neun Uhr am Freitagmorgen. Mulmig ist ihr bei dem Gedanken über einem Vulkan zu landen. Das Auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor Reisen in die Region. Andererseits hat sie im Internet recherchiert, Informationen des geologischen Instituts von Ecuador eingeholt und festgestellt, dass kein Grund zur Besorgnis besteht. Der Vulkan liegt zwei Kilometer außerhalb der Stadt und sollte es wirklich zum Ausbruch kommen, wird die Eruption zur Seite, die der Stadt abgewandt ist, austreten. Die waren doch nicht blöd die Spanier, denkt sie und haben die Hauptstadt so in die Anden hineingezimmert, dass der Hausvulkan sie nicht alle zwei Wochen in Schutt und Asche legt. Die Berichterstattung in Deutschland kann sie sich vorstellen: die Bildzeitung und RTL explosiv bauschen alles künstlich auf und machen den Eltern, deren Kinder dort bald hinfliegen werden, Angst. Sofort nach Hause kommen, die spinnen doch. Sie setzt sich an ihren Schreibtischstuhl, öffnet das E-Mail Programm. Jetzt muss sie ihren Vater beruhigen. Der hat schon wieder alle verrückt gemacht und geht mit den Zeitungsbildern bei den Großeltern und den Arbeitskollegen hausieren. Sein Kind wird bald sterben, begraben werden unter glühend heißen Lavamassen. Aber er wird das zu verhindern wissen. Sofort wird er ein Fax nach Argentinien schicken und alles Nötige veranlassen. Seit einer Woche ruft er jeden Tag an, seit er den Bericht gesehen hat. Alarmstufe orange. Bei Rot wird er sich wahrscheinlich persönlich ins Flugzeug setzen und mich holen kommen. Sie tippt ein paar Zeilen: Liebe Eltern, bitte macht euch keine Sorgen, ich habe alles unter Kontrolle. Ich habe mich informiert ...Warum mache ich das? Ich bin 28 Jahre alt und kann hinfliegen, wo ich will. Uganda, Grosny, Banja Luka. Wen geht das an?
Sie löscht die eben getippten Zeilen und öffnet das Dokument, an dem sie gearbeitet hat, bevor das Fax von ihrem Vater kam. Sie will noch den Abschlussbericht zu der Ausstellung tippen. Drei Monate hat sie hier gelebt und gearbeitet, unbezahlt. Ihre Eltern haben ihr einen Zuschuss gegeben, und sie hat zwei Monate in einem Büro in Düsseldorf gejobbt, um sich den Aufenthalt in Südamerika zu verdienen. Haben die deswegen das Recht mich wieder nach Hause abzukommandieren? Sie fühlt sich hin und hergerissen zwischen ihrer eigenen Besorgnis und der Panik ihrer Eltern, der sie trotzig ein jetzt-erst-recht entgegen setzt. Ihre Chefin hat sich noch einmal persönlich bei den deutschen Stellen vor Ort in Quito erkundigt und alle haben ihr bestätigt, dass der Vulkan über der Stadt nur Asche versprühen wird, wenn es zu Explosionen in seinem Inneren kommt. Das sei in den letzten Jahren mehrmals vorgekommen und nie sei Lavagestein ausgetreten. Es könnte sein, dass sie den Flughafen sperren, aber das werde sie in Buenos Aires rechtzeitig erfahren. Dann fliegen sie nach Guayaquil, in die zweitgrößte Stadt, die an der Pazifikküste liegt, und transportieren die Passagiere mit Bussen weiter. Kein Grund zur Besorgnis!

Zum Abschied trinken sie Tee, essen Kuchen im Büro. Die Mitarbeiter haben ein Geschenk für Hannah besorgt, eine Miniaturausgabe des Hafenviertels. Ihre Chefin gibt ihr die Hand, wünscht ihr alles Gute und sie solle sich keine Sorgen machen wegen des Vulkans. Nein, nein, sagt sie, ich weiß doch, dass nichts passieren kann. Und wenn meine Eltern anrufen ... Die beruhigen wir schon, fährt die Sekretärin, Frau Hausschild dazwischen.

Sie ist spät dran. Ihr Flug geht um neun Uhr, jetzt ist es kurz vor acht, die Fahrt zum Flughafen dauert mindestens eine halbe Stunde. Der Taxifahrer beruhigt sie, das schaffen wir schon. Hannah guckt nervös auf die Uhr. Tatsächlich sind sie erst kurz nach halb acht am Flughafen. Sie drückt ihm ihre letzten Pesos in die Hand, schultert ihren Rucksack und rennt ins Flughafengebäude. Das Bodenpersonal von Air Ecuatoriana empfängt sie überrascht, nimmt ihr den Rucksack ab und schiebt sie durch die Gänge. Den Reisepass, das Ticket zeigen, das Handgepäck durch die Röntgenmaschine schieben, durch den Warteraum laufen, eine Treppe führt auf die Gangway hinunter. Dann sitzt sie im Flugzeug auf ihrem Platz.
Sie fliegen über den Wolken, Richtung Chile, landen in Santiago de Chile zwischen, weiter über Peru. Auf die Anden kann sie durch die Wolkendecke nicht sehen. Gegen 16 Uhr beginnt der Kapitän den Landeanflug über Quito. Die Stadt liegt in einer Senke, umgeben von Bergen und Vulkanen auf fast 3000 Meter Höhe. Sie haben ihr ein paar Tage Herzrasen und Atemnot prophezeit, wegen der Höhe. Hannah spürt Druck auf den Ohren, sie simuliert Kaubewegungen mit ihrem Gebiss, der Druck wird stärker, sie kreisen lange über der Stadt.
Es ist bewölkt, als sie aus dem Flugzeug steigt, die Außentemperatur beträgt 26 Grad laut Durchsage des Kapitäns. Es fühlt sich wärmer an.
Hannah wartet auf ihr Gepäck.
Sie soll abgeholt werden von ihrem Vermieter. Das Zimmer hat ihr ihr neuer Arbeitgeber, eine Sprachschule für Deutsch und Englisch, vermittelt.
Als sie im Jeep des Vermieters sitzt, ist sie erstaunt, wie gut sie seine Sprache versteht, in Buenos Aires haben sie viel schneller geredet mit starkem Akzent. Manuel erzählt ihr von seinem Aufenthalt in Hamburg und dass er noch viele Freunde in Deutschland habe. Er beschreibt das Haus, in dem er wohnt und die Gäste, die er zurzeit alle beherbergt. Gerade hat er Besuch bekommen von einem deutsch-japanischen Pärchen und zwei Frauen wohnen außer Hannah noch als Untermieterinnen bei ihm. Die eine davon, Regula aus der Schweiz arbeitet im Swisshotel, die andere ist aus Deutschland, aber zurzeit auf Reisen. Hannah werde sie aber spätestens am Wochenende kennen lernen. Ihr werdet euch mögen, sagt Manuel.
Den Vulkan hätte sie fast vergessen, hätte er sie nicht daran erinnert. Sie stehen vor dem Haus und er zeigt ihr, welche Maßnahmen er zum Schutz gegen die Asche vorgenommen hat. Vor allen Türen und Fenstern liegen Tücher, um die Ritzen zu verstopfen. Sie rechnen damit, dass es heute Abend losgeht. Keine Sorge Mädchen, sagt er auf Deutsch zu ihr, es wird niemandem etwas passieren. Nur die Dörfer auf der anderen Seite sind in Gefahr, aber die haben sie evakuiert. Guagua bedeutet Kindchen in Quechua, der Sprache der Indigenas, erklärt er ihr weiter. Ob es erwachsenere Vulkane als diesen gibt?, überlegt sie.

Ihr Zimmer ist von der Küche aus über eine Treppe zu erreichen, eine Tür führt auf eine kleine Dachterrasse, so ist das Zimmer abgetrennt vom Rest des Hauses, ein aufgesetzter Anbau. Drinnen liegt eine Matratze auf dem Steinboden, ein Nachtschränkchen, ein Kleiderschrank und ein kleines Badezimmer mit Toilette und Waschbecken. Zum Duschen kannst du das Bad unten benutzen, erklärt ihr Manuel, immer noch auf Deutsch, komm mit, ich zeige dir. Gefällt dir das Zimmer?, sonst haben wir unten noch ein anderes, fragt er im Hinuntergehen. Nein, ist schön, murmelt Hannah. Sie ist müde vom Flug, dem Höhenunterschied und dem Vulkan.

Als sie allein in ihrem Zimmer auf der Matratze sitzt, legt sie ihren Kopf auf die Knie, fährt sich durch die Haare. Sie gräbt in ihrem Rucksack nach ihrer Kosmetiktasche, zieht die Zahnbürste heraus und geht zum Waschbecken. Ob ich das Wasser zum Zähne putzen benutzen kann, überlegt sie. In seinem letzten Brief hat ihr Vater sie noch einmal vor den gefährlichen Bakterien im Trinkwasser gewarnt und eine Palette Durchfallmittel beigelegt. Sie dreht den Hahn auf, lässt das Wasser durch ihre Finger rinnen und wirft sich zwei Hände voll ins Gesicht. Die Zahnpastatube dreht sie wieder zu und beschließt, später Manuel danach zu fragen.

Sie zieht sich die Kleider aus und legt sich in Höschen und Unterhemd schlafen.
Irgendwann klopft es an ihrer Tür. Manuel. Hannah, komm gucken, der Vulkan, es regnet Asche. Sie steht auf, streift sich ihre Jeans über, öffnet die Tür, auf der Terrasse liegt eine weiße Schicht wie Schnee, etwa fünf Zentimeter hoch. El volcano. Manuel scheint stolz zu sein auf seinen Hausvulkan. Er läuft geschäftig durch das Haus und dichtet ab, was abzudichten ist. Hannah blickt irritiert in die Dämmerung, es ist halb sechs um sechs wird es dunkel am Äquator und um sechs Uhr morgens wieder hell. Tag-und-Nachtgleiche.

Sie geht nach unten in die Küche. Dort sitzt die Schweizerin und begrüßt sie. Ich muss dringend Geld wechseln, einkaufen, sagt Hannah. Kann man rausgehen? Kann man schon, antwortet Regula, du musst dir nur eine Maske kaufen, die verkaufen sie zurzeit überall am Straßenrand, sonst gelangt zu viel Asche in die Lunge.
Regula gibt ihr 5000 Sucre, ungefähr 6 DM, das dürfte reichen für die Maske, ich habe meine für 1500 bekommen, sagt sie.
Es ist still auf der Straße, kaum jemand hält sich draußen auf. Eine alte Frau kommt Hannah mit Einkäufen entgegen. Sie fragt die Alte nach dem Weg, die erklärt ihr etwas von einem Einkaufzentrum, rechts runter, die Hauptstraße entlang, Hannah kann sich nicht alles merken.
Sie spürt die Asche in der Luft in feinen Partikeln sucht sie sich ihren Weg durch die Bronchien in die Lunge. Eine Maske, sie braucht eine Atemschutzmaske. An der Ecke zur Hauptstraße steht eine Frau und verkauft weiße Masken aus Pappmaché an die Autofahrer an der Ampel. Hannah erkundigt sich nach dem Preis. 2000 sagt die Frau. Hannah gibt ihr das Geld. Sie stülpt den Gummizug über den Kopf, rutscht den Atemschutz vor ihrem Mund zurecht und stapft vorwärts durch das weiche Aschepolster, das auf der Straße liegt.

Es wird immer dunkler, die Luft verschlechtert sich. Nur eine Bank finden, etwas zu essen kaufen und dann wieder zurück. In der Bank nimmt Hannah die Maske ab, der klimatisierte Raum mit der Luft ohne Staub- und Ascheteilchen wirkt wohltuend. Hannah wechselt 100 DM in die ecuadorianische Währung. Die 100.000 Sucre passen nicht in ihr Portemonnaie, sie verstaut den Stapel Geldscheine in ihrem Rucksack. Pass bloß auf dein Geld auf, haben ihr die Eltern als Warnung mit auf den Weg gegeben, da lauern überall Diebe und Räuber, die stechen dich ab, für 10 DM, wir haben das im Fernsehen gesehen.

Sie beeilt sich, die Hauptstraße entlang zurück zu ihrer Unterkunft zu gelangen, hält kurz an einem Laden an, zerrt an der Kasse umständlich ein paar Scheine für eine 1,5 Liter Wasserflasche, eine Limonade und ein Stück Gebäck heraus. Der Verkäufer wünscht ihr einen schönen Tag beim Herausgehen. In der Straße vor ihrem Haus patrouilliert ein Wachmann in Uniform mit einem Schlagstock in seinem Gürtel. Er nickt ihr zu.

Vor ihrem Zimmer zieht sie sich die Schuhe aus, klopft die Sohlen aneinander, von denen eine fingerdicke Ascheschicht herunterfällt. Sie lässt die Schuhe vor der Tür stehen.

Am nächsten Morgen benutzt sie das gekaufte Wasser zum Zähneputzen, trinkt fast die Hälfte der Flasche aus und zieht die Vorhänge vor dem Fenster zurück. Die Sonne scheint blendend hell. Über dem Berg, dem Vulkan Guagua Pichincha ist eine weiße Wolke zu sehen. In Ecuador gibt es zahlreiche aktive Vulkane, entlang des Andenstreifens, der mitten durch das Land verläuft und innerhalb dessen die meisten Städte liegen. Die Spanier haben ihre Siedlungen dort errichtet, wo das Klima für Europäer am angenehmsten ist. Auf 3000 Metern Höhe liegen die Temperaturen am Äquator um die 20 Grad. Fährt man von Quito aus in Richtung Westen gelangt man zur Pazifikküste und gen Westen liegt das Amazonasgebiet, Dschungel, für den das Tropeninstitut eine Malaria Prophylaxe empfiehlt. Hannahs Vater hat sich dafür eingesetzt, dass die Krankenkasse ihre Impfkosten für Gelbfieber, Hepatitis A und B und Typhus übernimmt. Die Malaria Prophylaxe, die starke Nebenwirkungen haben kann - Übelkeit, Haarausfall, Erschöpfungszustände - will sie erst einnehmen, wenn sie wirklich in das Amazonasgebiet reist.

Die Dusche hat ein Warmwassergerät, das offen liegende Elektroleitungen in der Nähe des Wasserstrahls hat. Hannah windet sich unter dem dünnen Rinnsal, versucht sich die Haare zu waschen. Sie trocknet sich ab und zieht sich eine Hose und ein T-Shirt an.
Als sie wieder auf die Terrasse vor ihrem Zimmer geht, stehen dort Manuel und Regula, beide mit Kameras ausgestattet und knipsen den Vulkan, über dem sich sie Wolke mittlerweile zu einem atompilzartigen Gebilde ausgedehnt hat. Ich mache Digitalfotos und stelle die ins Internet, kannst du deinen Eltern die Adresse geben, Mädchen, sagt Manuel zu ihr. Lieber nicht, antwortet Hannah. Sie holt auch ihre Kamera aus dem Zimmer und macht fünf Fotos.

Eine Stunde später ist kein blauer Himmel mehr zu erkennen, Wolken und die sich verteilende Asche haben alles grau gefärbt. Hannah packt ihren Lederrucksack, steckt ein paar Geldscheine in die Hosentasche und macht sich auf den Weg in die Altstadt von Quito. Es ist Samstag und am Montag beginnt ihre Hospitanz in der Sprachschule.

Nachdem sie vergeblich versucht hat, einen Bus zu finden, der in Richtung Altstadt fährt - es gibt keine Haltestellen und keine Fahrpläne, die Einheimischen stehen an den Straßenecken und winken die Busse heran, wenn Hannah winkt halten sie nicht - beschließt sie, zum Trolley Bus zu laufen. Das ist ein Oberleitungsbus, der Bahnsteige und festgelegte Haltestellen und Fahrkartenautomaten hat. Er fährt quer durch die ganze Stadt bis zum zentralen Busbahnhof unweit der Altstadt. Dort herrscht großes Gedränge, Hannah lässt sich aus dem Trolley Bus schieben, stehen bleiben und auf den Stadtplan schauen, kann sie in der Menschenmasse nicht.

In der Altstadt macht sie Fotos mit ihrer 200 DM Kamera, die sie sich kurz vor der Abreise bei Saturn gekauft hat, hierfür holt sie den Fotoapparat jedes Mal aus ihrem schwarzen Lederrucksack und steckt ihn danach wieder zurück und verschnürt ihn sorgfältig. Die Altstadt von Quito steht auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes wegen der Kolonialbauten und Kirchen, die die Spanier zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert gebaut haben. Heute ist Markt in der Altstadt und überall werden Kleider, Haushaltswaren und Imbisse angeboten. Es riecht nach gegrilltem Huhn und Maiskolben.
Zwischen ein paar Ständen ist es besonders eng, es gibt ein Gedränge, Hannah versucht, vorwärts zu kommen, es geht nicht, das Gedränge wird noch enger. Als sie ein paar Meter weiter wieder durchatmen kann, beschließt sie, hinauf zum zentralen Platz, der Plaza de la Independencia zu gehen und die Kathedrale zu besichtigen. An der Kasse bemerkt sie es, als sie den Rucksack vom Rücken nimmt: An der Seite klafft das Material auseinander, sie haben mit einer Rasierklinge einen sauberen Schnitt gesetzt. Scheiße, flüstert Hannah. Ihr Magen sackt eine Etage tiefer, sie zieht den Verschluss auf und wühlt im Rucksack. Der Reiseführer, die Sonnenbrille, die Taschentücher und der Stadtplan sind noch da. Es fehlen der Fotoapparat und das Portemonnaie. Sie setzt sich auf die Stufen vor der Kathedrale. Ihre Eingeweide schmerzen und fühlen sich hohl an, als hätten sie ihr den Schnitt in die Bauchdecke versetzt und eine Niere heraus genommen. Als sie nach Kreta gereist ist, hat ihr Vater sie vorher gewarnt, dass sie dort Leute auf einer Bank sitzend betäuben, sie verschleppen, ihnen Organe entnehmen und sie eine Woche später wieder auf derselben Bank absetzen. Ihre Geldscheine, die sie in der Hosetasche hat, sind noch da. Im Portemonnaie war nur Kleingeld, vielleicht 2 DM umgerechnet. Da werden sie nicht viel Freude dran haben, denkt Hannah. Um den Rucksack ist es schade, der hat 70 DM gekostet und um die Kamera für 1000 DM.

Wieder zu Hause in der Unterkunft beginnt sie, die aufklaffenden Rucksackfetzen zu nähen. Sie erzählt niemandem von dem Vorfall in der Altstadt und beschließt nicht mehr dorthin zu gehen, sondern sich nur noch in der Neustadt aufzuhalten, wo die Touristen hingehen und die Wachleute auf sie aufpassen.

© Silke Galla


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